ohrenschmerzen
zwei tage hab ichs ausgehalten aber seitdem ich gestern kaum mehr sprechen konnte (was was heissen will), geschweige denn dass nahrung zwischen die kiefer passte, hab ich mich dem schicksal ergeben und bin mit jaulenden ohren zum arzt. der arzt meiner wahl ist schiffsarzt. der einzige praktische arzt hier im viertel und auf einen doktortitel hat er wohlweisslich gepfiffen. zweimal war ich bereits bei ihm in den letzten sechs jahren und obwohl ich mich etwas vor ihm gruselte, konnte es mich auch diesmal nicht davon abhalten.
seine praxis sah jedes mal anders aus. beim ersten mal fielen mir neben der für arztpraxen eher ungewöhnlichen atmosphäre dieser ehemaligen büroräume (eine adäquate renovierung mit den üblichen eierschalenfarbenen strukturtapeten und horst janssen drucken hatte man sich geschenkt), nur die grossen holztafeln mit verschiedenen schiffsknoten an den wänden des wartezimmers auf. ein riesengrosses menschenleeres wartezimmer voller alter bürostühle, die wie für eine gruppengesprächstherapiestunde ordentlich im kreis angeordnet waren. ausser dem arzt und einer sprechstundenhilfe, die planlos auf ihrer schmuddelig grauen tastaur rumtippte während sie sich leise flüsternd irgendetwas selbst erklärte, traf ich dort nie jemanden. als ich bei meinem zweiten besuch von der sprechstundenhilfe durch die langen flure geführt wurde fiel mir im vorbeigehen allerdings etwas seltsames ins auge: hinter einer halbverhängten glastür erblickte ich eine art grotte aus möbeln und kartons, büchern, zeitungsstapeln, kleiderständern und in der mitte den arzt, der sich sein hemd zuknöpfte, als wäre er gerade aufgestanden. nun bemerkte ich auch die riesigen vitrinenschränke mit denen die flurwände zugestellt waren: hunderte, ach was sage ich, tausende porzellanteddybären in matrosenanzügen waren darin nach grössen geordnet.
der arzt aber war alles andere als ein knuffiger kleiner scherzkeks, was man ja angesichts der bärensammlung vielleicht erwartet hätte, nein, mit toternster miene und schräg sitzender krawatte stakste er ins sprechzimmer, reichte mir ruckartig seine hand, liess sich laut ausatmend hinter seinem schreibtisch auf einen bereitstehenden bürostuhl fallen und faltete die hände während er mir im staccato die worte "was führt sie also in die heiligen hallen?" entgegen zischte.
heute war schon wieder alles anders. mittlerweile war die praxis umgezogen, aus der repräsentativ gelegenen büroetage an den landungsbrücken in eine kleinere erdgeschosswohnung zwischen den garagen eines rotklinker niedrigbaus dahinter. nachdem er mir zu begrüssung wieder seine hand gereicht hatte konnte ich im verlauf unseres gespräches meine augen kaum abwenden von dem schuppenden roten hautausschlag an seinen händen. seine versuche, in seinen ausführungen über die möglichen heilmethoden bei ohrenleiden auch alte hausmittel heranzuziehen, von denen er offenbar so wenig ahnung hatte wie ich, und sich verzweifelt daran zu erinnern, wie das nochmal ging mit dem zwiebelkissen, das machte mich schon etwas betroffen. der ärmste.
aber die diesmal ungewöhnlichste entdeckung machte ich während meine augen die wände abtasteten, in der hoffnung, es würde nicht auffallen, dass ich es kaum ertragen konnte, ihm bei seinen wirren ausführungen in die augen zu blicken. an den wänden hingen unmengen von urkunden. überwiegend schon arg vergilbt, mit welligen rändern hinter billigen randlosen wechselrahmen. viele aus übersee mit den abenteuerlichsten dekors. gedankenlos überflog ich sie auf der suche ich nach seinem namen. schliesslich war er höchstens ende vierzig und diese urkunden sahen aus, als wären sie aus einem anderen jahrhundert. und: bingo! eine wand voller urkunden und keine trug seinen namen.
schön. aber dass ohrenschmerzen heutzutage 20 euro kosten, da muss man doch mal meckern. ok - so einem armen arzt blättert man seine 10 tacken schon gerne mal hin aber wenn dann noch 10 oben drauf kommen für zweimal medizin dann geht das doch schon mal an die substanz. was wird erst wenn mehr als nur die ohren schmerzen?! ibuhexal, hat mir die apothekenfrau erklärt, ist n ganz ordinäres schmerzmittel, das es von nem anderen hersteller auch rezeptfrei zu kaufen gibt. und was würde sowas dann kosten, wollt ich wissen: das selbe!
wie gut, dass wir nur 3 mal in 6 jahren zum arzt müssen. zu meinem geh ich eh nur aus mitleid.
seine praxis sah jedes mal anders aus. beim ersten mal fielen mir neben der für arztpraxen eher ungewöhnlichen atmosphäre dieser ehemaligen büroräume (eine adäquate renovierung mit den üblichen eierschalenfarbenen strukturtapeten und horst janssen drucken hatte man sich geschenkt), nur die grossen holztafeln mit verschiedenen schiffsknoten an den wänden des wartezimmers auf. ein riesengrosses menschenleeres wartezimmer voller alter bürostühle, die wie für eine gruppengesprächstherapiestunde ordentlich im kreis angeordnet waren. ausser dem arzt und einer sprechstundenhilfe, die planlos auf ihrer schmuddelig grauen tastaur rumtippte während sie sich leise flüsternd irgendetwas selbst erklärte, traf ich dort nie jemanden. als ich bei meinem zweiten besuch von der sprechstundenhilfe durch die langen flure geführt wurde fiel mir im vorbeigehen allerdings etwas seltsames ins auge: hinter einer halbverhängten glastür erblickte ich eine art grotte aus möbeln und kartons, büchern, zeitungsstapeln, kleiderständern und in der mitte den arzt, der sich sein hemd zuknöpfte, als wäre er gerade aufgestanden. nun bemerkte ich auch die riesigen vitrinenschränke mit denen die flurwände zugestellt waren: hunderte, ach was sage ich, tausende porzellanteddybären in matrosenanzügen waren darin nach grössen geordnet.
der arzt aber war alles andere als ein knuffiger kleiner scherzkeks, was man ja angesichts der bärensammlung vielleicht erwartet hätte, nein, mit toternster miene und schräg sitzender krawatte stakste er ins sprechzimmer, reichte mir ruckartig seine hand, liess sich laut ausatmend hinter seinem schreibtisch auf einen bereitstehenden bürostuhl fallen und faltete die hände während er mir im staccato die worte "was führt sie also in die heiligen hallen?" entgegen zischte.
heute war schon wieder alles anders. mittlerweile war die praxis umgezogen, aus der repräsentativ gelegenen büroetage an den landungsbrücken in eine kleinere erdgeschosswohnung zwischen den garagen eines rotklinker niedrigbaus dahinter. nachdem er mir zu begrüssung wieder seine hand gereicht hatte konnte ich im verlauf unseres gespräches meine augen kaum abwenden von dem schuppenden roten hautausschlag an seinen händen. seine versuche, in seinen ausführungen über die möglichen heilmethoden bei ohrenleiden auch alte hausmittel heranzuziehen, von denen er offenbar so wenig ahnung hatte wie ich, und sich verzweifelt daran zu erinnern, wie das nochmal ging mit dem zwiebelkissen, das machte mich schon etwas betroffen. der ärmste.
aber die diesmal ungewöhnlichste entdeckung machte ich während meine augen die wände abtasteten, in der hoffnung, es würde nicht auffallen, dass ich es kaum ertragen konnte, ihm bei seinen wirren ausführungen in die augen zu blicken. an den wänden hingen unmengen von urkunden. überwiegend schon arg vergilbt, mit welligen rändern hinter billigen randlosen wechselrahmen. viele aus übersee mit den abenteuerlichsten dekors. gedankenlos überflog ich sie auf der suche ich nach seinem namen. schliesslich war er höchstens ende vierzig und diese urkunden sahen aus, als wären sie aus einem anderen jahrhundert. und: bingo! eine wand voller urkunden und keine trug seinen namen.
schön. aber dass ohrenschmerzen heutzutage 20 euro kosten, da muss man doch mal meckern. ok - so einem armen arzt blättert man seine 10 tacken schon gerne mal hin aber wenn dann noch 10 oben drauf kommen für zweimal medizin dann geht das doch schon mal an die substanz. was wird erst wenn mehr als nur die ohren schmerzen?! ibuhexal, hat mir die apothekenfrau erklärt, ist n ganz ordinäres schmerzmittel, das es von nem anderen hersteller auch rezeptfrei zu kaufen gibt. und was würde sowas dann kosten, wollt ich wissen: das selbe!
wie gut, dass wir nur 3 mal in 6 jahren zum arzt müssen. zu meinem geh ich eh nur aus mitleid.
Stimmgabel - 2005-02-04 16:11
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