junge männer
und noch zwei bilder fallen mir ein, dies gestern geschafft hatten, zu mir durchzudringen, unter den grauen schleier zu kriechen, den ich noch über der wollmützen-cap kombination (von der das kind meint, so könne man nicht losgehen) trug, wobei der schleier unsichtbar war, die kombination nicht.
eins der bilder war das gespräch mit einer frau, deren anblick mir immer ein leichtes betroffenheitsgefühl beschert hatte, einer frau, die aufgrund von ungewöhnlich groben und unproportionalen gesichtszügen, einer dicken brille und einer besonders tiefen stimme fast unweiblich wirkte. ich kannte sie nicht weiter, wir trafen uns lediglich in verschiedenen seminaren. sie sprach dort zwar immer sehr viel und laut, kam mir jedoch gleichzeitig abweisend und arrogant vor.
ich schämte mich damals ein wenig dafür, als ich mich dabei ertappte, wie ich mich darüber wunderte, dass eine derart unattraktive gestalt ein stinknormales heterosexuelles liebesleben zu haben schien.
vor ein paar wochen hat es sich dann plötzlich ergeben, dass ich diese frau näher kennenlernte und wie es immer so kommt - mit meinem früheren eindruck hatte dieses neue bild von der frau überhaupt nichts mehr gemein. wir hatten mittlerweile ein paar sehr offene gespräche und dann - kam gestern.
mit besagtem grauen schleier über dem kopf trottete ich also gestern abend durch den schneeregen, das ebenso schlecht gelaunte kind hinter mir herziehend, um meinen dienst als ausstellungsaufsichtspersonal abzuleisten. ich war bestellt, zwei stunden in ungeheizten fabrikhallen rumzusitzen um die 4 ausstellungsbesucher im auge zu behalten, dass sie den laden nicht etwa mit videobeamern in den manteltaschen verliessen. die frau war auch dort, als das zweite aufsichtspersonal. ihre nase glühte rot. sie war krank. ich bot ihr an, sie könne gerne wieder gehen, ich würde es sicher auch allein schaffen, die diebe zu stellen. sie blieb aber und bald sabbelten und gackerten wir nach herzenslust. die 4 besucher kamen gut allein klar.
da betrat ein junger schönling die räume. wir unterbrachen das gespräch. er steuerte geradewegs auf uns zu. höflich stand die frau auf und bat ihre hilfe an. sie erzählte etwas über die ausstellung und lud ihn sogar abschliessend noch zu einer ihrer veranstaltungen ein. erstaunt über die in unseren kreisen sonst eher unübliche freundlichkeit blieb ich in meiner winterjacke auf dem kippeligen aufsichtspersonalstuhl sitzen und beobachtete das treiben. und nachdem der schöne jüngling sich verabschiedet hatte und sich langsam in richtung ausgang bewegte sass auch sie wieder da, die nase glühte noch ein wenig roter, und bis die tür hinter ihm zufiel schwiegen wir.
dann sprachen wir über frauen über dreissig und junge männer. sie erzählte mir von einem, den sie sehr attraktiv fände aber der leider gut 15 jahre jünger sei als sie. ich riet ihr eindringlich, es von rahmenbedingungen dieser art nicht abhängig zu machen. und dann, ohne nachzudenken, stellte ich sie, die peinliche frage, die man nie ohne nachzudenken fragen sollte: "aber hast du denn nicht n freund?"
sie wurde knallrot und blickte auf den boden. nein, sagte sie, "ich hab kein glück mit männern."
ich auch nicht, sagte ich und wurde auch rot.
fortsetzung folgt
eins der bilder war das gespräch mit einer frau, deren anblick mir immer ein leichtes betroffenheitsgefühl beschert hatte, einer frau, die aufgrund von ungewöhnlich groben und unproportionalen gesichtszügen, einer dicken brille und einer besonders tiefen stimme fast unweiblich wirkte. ich kannte sie nicht weiter, wir trafen uns lediglich in verschiedenen seminaren. sie sprach dort zwar immer sehr viel und laut, kam mir jedoch gleichzeitig abweisend und arrogant vor.
ich schämte mich damals ein wenig dafür, als ich mich dabei ertappte, wie ich mich darüber wunderte, dass eine derart unattraktive gestalt ein stinknormales heterosexuelles liebesleben zu haben schien.
vor ein paar wochen hat es sich dann plötzlich ergeben, dass ich diese frau näher kennenlernte und wie es immer so kommt - mit meinem früheren eindruck hatte dieses neue bild von der frau überhaupt nichts mehr gemein. wir hatten mittlerweile ein paar sehr offene gespräche und dann - kam gestern.
mit besagtem grauen schleier über dem kopf trottete ich also gestern abend durch den schneeregen, das ebenso schlecht gelaunte kind hinter mir herziehend, um meinen dienst als ausstellungsaufsichtspersonal abzuleisten. ich war bestellt, zwei stunden in ungeheizten fabrikhallen rumzusitzen um die 4 ausstellungsbesucher im auge zu behalten, dass sie den laden nicht etwa mit videobeamern in den manteltaschen verliessen. die frau war auch dort, als das zweite aufsichtspersonal. ihre nase glühte rot. sie war krank. ich bot ihr an, sie könne gerne wieder gehen, ich würde es sicher auch allein schaffen, die diebe zu stellen. sie blieb aber und bald sabbelten und gackerten wir nach herzenslust. die 4 besucher kamen gut allein klar.
da betrat ein junger schönling die räume. wir unterbrachen das gespräch. er steuerte geradewegs auf uns zu. höflich stand die frau auf und bat ihre hilfe an. sie erzählte etwas über die ausstellung und lud ihn sogar abschliessend noch zu einer ihrer veranstaltungen ein. erstaunt über die in unseren kreisen sonst eher unübliche freundlichkeit blieb ich in meiner winterjacke auf dem kippeligen aufsichtspersonalstuhl sitzen und beobachtete das treiben. und nachdem der schöne jüngling sich verabschiedet hatte und sich langsam in richtung ausgang bewegte sass auch sie wieder da, die nase glühte noch ein wenig roter, und bis die tür hinter ihm zufiel schwiegen wir.
dann sprachen wir über frauen über dreissig und junge männer. sie erzählte mir von einem, den sie sehr attraktiv fände aber der leider gut 15 jahre jünger sei als sie. ich riet ihr eindringlich, es von rahmenbedingungen dieser art nicht abhängig zu machen. und dann, ohne nachzudenken, stellte ich sie, die peinliche frage, die man nie ohne nachzudenken fragen sollte: "aber hast du denn nicht n freund?"
sie wurde knallrot und blickte auf den boden. nein, sagte sie, "ich hab kein glück mit männern."
ich auch nicht, sagte ich und wurde auch rot.
fortsetzung folgt
Stimmgabel - 2005-02-24 13:24
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks

